„Peak Autobahn“: Braunschweig baut zurück

„Peak Autobahn“: Braunschweig baut zurück

Grüne begrüßen Abriss des Überfliegers – Stadt soll freiwerdende Flächen kaufen und Übernahme der A392 vorantreiben

Der geplante Abriss des Überfliegers am Ölper Kreuz markiert aus Sicht von Leonhard Pröttel, verkehrspolitischem Sprecher der Grünen-Fraktion im Regionalverband Großraum Braunschweig, und Dr. Andreas Hoffmann, grünem Landtagsabgeordneten für Braunschweig, einen Wendepunkt. Die Autobahn GmbH des Bundes will die Brücke 2027 abreißen und vorerst auf einen Neubau verzichten, so wurde es seitens der Autobahn-GmbH bestatigt. Stattdessen soll das lange geforderte vierte „Ohr“ die Verbindung aus Richtung Innenstadt auf die A391 nach Süden sichern.

„Braunschweig hat damit Peak Autobahn erreicht. Wir bauen nicht mehr aus, wir bauen zurück. Eine überdimensionierte Brücke weicht einer einfacheren Lösung, die die Verbindung erhält und viele Millionen Euro spart“, erklärt Pröttel. „Immer größer und immer teurer ist keine vernünftige Verkehrspolitik. Am Ölper Kreuz eröffnet sich jetzt die Chance, das ganz konkret zu ändern.“

Die Autobahn GmbH bezeichnet den Verzicht auf den Überflieger zwar als vorläufig, Pröttel und Hoffmann halten eine spätere Wiederaufnahme jedoch für ausgesprochen unwahrscheinlich.

„Wenn die Brücke 2027 abgerissen ist, die Baustelle endet und das vierte Ohr die Verbindung übernimmt, gibt es kaum einen überzeugenden Grund, dieses Millionenprojekt wieder aus der Schublade zu holen“, sagt Hoffmann. „Dann müsste jemand erklären, warum eine funktionierende Lösung nicht genügt und erneut viel Geld für eine überdimensionierte Brücke ausgegeben werden soll. Wir wollen, dass aus dem vorläufigen Verzicht eine dauerhafte Entscheidung wird.“

Die Forderung reicht zehn Jahre zurück: Bereits in der Umweltzeitung September/Oktober 2016 veröffentlichten Leonhard Pröttel und Stefan Vockrodt unter dem Titel „Weg mit dem Ölper Knoten!“ einen von der Arbeitsgruppe MoVeBS entwickelten Vorschlag. Er verband den Rückbau des Autobahnknotens und der A392 mit neuen Möglichkeiten für Stadtentwicklung und Schienenverkehr.

„Wir haben schon 2016 gezeigt, wie viel Stadtentwicklung möglich wird, wenn wir überdimensionierte Autobahnflächen neu denken“, sagt Pröttel. „Dass der Überflieger nun tatsächlich weichen soll, ist ein wichtiger Erfolg des langjährigen Engagements der Mobilitätsverbände.“

Für Hoffmann folgt daraus ein klarer Auftrag an die Stadt: „Braunschweig muss jetzt mit dem Bund über den Kauf der freiwerdenden Flächen verhandeln. Wir erwarten, dass die Stadt diese Flächen erwirbt und ihre Entwicklung aktiv in die Hand nimmt. Wer jetzt abwartet, lässt eine große Chance für Braunschweig liegen.“

Dabei soll es nicht beim unmittelbaren Umfeld des Überfliegers bleiben. Pröttel und Hoffmann fordern die Stadt auf, mit Bund und Land die Abstufung der A392 zur Bundesstraße und eine Übernahme in städtische Baulast zu prüfen und die notwendigen Vereinbarungen vorzubereiten. Ziel ist, den gesamten Straßenkorridor von der Hamburger Straße in Richtung Watenbüttel für die Stadtentwicklung zu nutzen.

„Die Stadt sollte diesen Korridor künftig selbst gestalten können“, betont Hoffmann. „Wir brauchen dort eine Straße, die die angrenzenden Gebiete erschließt und neue Entwicklung ermöglicht. Deshalb muss die Übernahme der A392 jetzt auf die Tagesordnung. Zusammen mit dem Flächenerwerb kann daraus ein konkretes Konzept für neue Gewerbeflächen, eine bessere Erschließung und eine leistungsfähige Stadtbahn entstehen.“

Die bisherige Straßenbreite soll dafür deutlich reduziert werden. Etwa die Hälfte des Querschnitts könnte eine Stadtbahn nach Watenbüttel aufnehmen, mit einer Perspektive zur Weiterführung auf der Trasse des „Spargelexpress“ Richtung Wendeburg.

„Der Abriss des Überfliegers ist der erste Schritt. Jetzt muss Braunschweig die freiwerdenden Flächen kaufen und den Umbau des gesamten Korridors angehen“, erklärt Hoffmann. Pröttel ergänzt: „Weniger Autobahn schafft hier mehr Möglichkeiten für die Stadt. Dieses Signal sollten wir nutzen.“